Erhöhte Leukozyten: Wann ist ein hoher WBC-Wert bedenklich?
Klinische Prüfung ausstehend
Ein hoher Leukozytenwert kann viele Ursachen haben. Wie Zellverteilung, Verlauf und Beschwerden bei der Einordnung helfen und wann eine ärztliche Abklärung dringend ist.
Ein erhöhter Wert der weißen Blutkörperchen hat häufig eine erklärbare Ursache: eine Infektion, eine Entzündung, körperlichen Stress oder die Wirkung eines Medikaments. Wie dringend er abgeklärt werden muss, hängt von der Höhe, den betroffenen Zelltypen, dem Verlauf und möglichen Beschwerden ab. Bleibt der Wert ohne erkennbare Ursache erhöht, sollte das ärztlich untersucht werden. Werte über 30.000 Zellen pro Mikroliter ohne offensichtliche Erklärung oder ein Nachweis von Blasten erfordern eine dringliche Beurteilung.
Worauf ein hoher WBC-Wert hinweist
WBC steht für „white blood cells“ und bezeichnet im Blutbild die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen, der Leukozyten. Dazu gehören fünf Zelltypen: neutrophile Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten, eosinophile und basophile Granulozyten. Liegt die Gesamtzahl über der oberen Referenzgrenze, bei Erwachsenen üblicherweise 11.000 Zellen pro Mikroliter, spricht man von einer Leukozytose. Wie bedenklich der Befund ist, zeigt die Zahl allein nicht. Das Differenzialblutbild schlüsselt auf, welche Zelltypen erhöht sind. Zusammen mit dem Ausmaß der Erhöhung, ihrem Verlauf und möglichen Beschwerden hilft es, die Ursache einzugrenzen. Riley und Rupert, 2015
Die absolute Zahl eines Zelltyps sagt klinisch mehr aus als sein prozentualer Anteil. Gerade bei einer sehr hohen oder sehr niedrigen Gesamtzahl können Prozentwerte ein irreführendes Bild ergeben:
- Neutrophile Granulozyten gehören zur ersten Abwehr gegen Bakterien. Ihre Zahl steigt bei bakteriellen Infektionen, durch Kortikosteroide, Stress und Rauchen.
- Lymphozyten sind an der erworbenen Immunantwort und der Virusabwehr beteiligt. Ihre Zahl steigt bei Virusinfektionen und manchen Autoimmunerkrankungen.
- Monozyten nehmen Erreger und Zellreste auf. Dieser Vorgang heißt Phagozytose. Sie wirken auch bei chronischen Entzündungen mit. Erhöhte Zahlen kommen bei chronischen Infektionen, entzündlichen Erkrankungen und Adipositas vor.
- Eosinophile Granulozyten wirken bei der Parasitenabwehr und allergischen Reaktionen mit. Ihre Zahl steigt bei allergischen Erkrankungen, parasitären Infektionen und manchen Arzneimittelreaktionen.
- Basophile Granulozyten sind an allergischen und entzündlichen Reaktionen beteiligt. Sie sind nur selten der Hauptgrund für eine Leukozytose.
Warum der WBC-Wert steigen kann
Akute bakterielle und virale Infektionen (Evidenz: stark)
Akute Infektionen sind die häufigste Ursache einer erhöhten Leukozytenzahl. Bei bakteriellen Infektionen steigt typischerweise die Zahl der neutrophilen Granulozyten; das heißt Neutrophilie. Häufig finden sich dann auch mehr unreife, sogenannte stabkernige Granulozyten. Sie lassen sich in einem Blutausstrich erkennen. Virusinfektionen führen häufiger zu einer erhöhten Lymphozytenzahl, einer Lymphozytose. Bei parasitären Infektionen können die eosinophilen Granulozyten zunehmen. Nach Abklingen der Infektion kehrt die Leukozytenzahl meist innerhalb von Tagen bis Wochen in den Referenzbereich zurück. Über die Behandlung der Ursache hinaus ist dafür üblicherweise keine weitere Maßnahme nötig. Riley und Rupert, 2015
Chronische Entzündungen und Autoimmunerkrankungen (Evidenz: stark)
Chronische, niedriggradige Entzündungen können die Leukozytenzahl dauerhaft erhöhen. Häufig steigen dabei die neutrophilen Granulozyten oder die Monozyten; Letzteres heißt Monozytose. Als Ursachen kommen Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder anhaltende Infektionen ohne ausgeprägte Beschwerden infrage. Die Erhöhung fällt typischerweise leicht bis mäßig aus, mit Werten von 11.000 bis 15.000 Zellen pro Mikroliter.
Sind zugleich das hochsensitive C-reaktive Protein, hs-CRP, und die Leukozytenzahl leicht erhöht, kann das auf eine Entzündung hinweisen. Damit lässt sich jedoch weder eine Infektion noch eine Erkrankung des blutbildenden Systems zuverlässig abgrenzen.
Körperlicher und psychischer Stress: Demargination (Evidenz: moderat)
Intensive körperliche Belastung, emotionaler Stress und akute Verletzungen können die Leukozytenzahl vorübergehend erhöhen. Dabei setzt der Körper Adrenalin frei. Dadurch gelangen weiße Blutkörperchen, die sich zuvor an den Gefäßwänden aufgehalten haben, in den zirkulierenden Blutstrom. Dieser Vorgang heißt Demargination. Er beginnt innerhalb von Minuten und klingt üblicherweise innerhalb von Stunden ab. Ein grenzwertig erhöhter Wert kurz nach Sport oder während einer akuten Stresssituation muss deshalb nicht dauerhaft erhöht sein. Eine Kontrollmessung in Ruhe kann zeigen, ob die Erhöhung anhält. Dhabhar et al., 2012
Ob die Blutabnahme zusätzlich nüchtern erfolgen soll, gehört zur Abstimmung der Messbedingungen. Eine allgemeine Voraussetzung für jede WBC-Kontrolle lässt sich daraus nicht ableiten.
Zigarettenrauchen (Evidenz: stark)
Bei Rauchenden ist die Leukozytenzahl häufig chronisch leicht erhöht, vor allem die Zahl der neutrophilen Granulozyten. Als Erklärung gelten chronische Entzündungen der Atemwege und oxidativer Stress im gesamten Körper. Der beschriebene Zusammenhang mit der Rauchbelastung in Packungsjahren betrifft sowohl die gerauchte Menge als auch die Dauer des Rauchens. Higuchi et al., 2016
Werte von 11.000 bis 13.000 Zellen pro Mikroliter können bei Rauchenden ohne weitere klinische Auffälligkeiten auf diese Belastung zurückgehen. Andere Ursachen sollten dennoch abgeklärt werden. Nach einem Rauchstopp kann die Erhöhung zurückgehen; der dafür angegebene Zeitraum von Wochen bis Monaten ist noch nicht ausreichend abgesichert.
Adipositas, metabolisches Syndrom und Medikamenteneffekte (Evidenz: moderat)
Viszerales Fett, also Fettgewebe um die inneren Organe, setzt entzündungsfördernde Botenstoffe frei. Diese sogenannten Zytokine können dazu beitragen, dass die Leukozytenzahl auch ohne akuten Auslöser leicht erhöht bleibt. Dabei steigen vor allem Monozyten und neutrophile Granulozyten. Verbessern sich die Stoffwechselwerte, nimmt die Leukozytenzahl typischerweise allmählich ab. Herishanu et al., 2006, Fontana et al., 2007
Auch Medikamente können den Wert erhöhen. Kortikosteroide lösen eine vorhersehbare, dosisabhängige Neutrophilie aus: Sie fördern die Demargination und verzögern den programmierten Zelltod, die Apoptose, der neutrophilen Granulozyten. Nach Ende der Behandlung bildet sich diese Erhöhung zurück. Weitere Medikamente, die mit einer Leukozytose in Verbindung stehen, sind Lithium, koloniestimulierende Faktoren und einige Beta-Agonisten. Deshalb gehört die Medikamenteneinnahme zur ärztlichen Einordnung, bevor weitere Untersuchungen folgen.
Welche Schritte bei einem hohen WBC-Wert helfen und wie ihre Evidenz eingestuft ist
Zuerst hilft der Blick auf das Differenzialblutbild. (Evidenz: stark) Es zeigt, ob neutrophile Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten oder eosinophile Granulozyten erhöht sind. Dieses Muster grenzt mögliche Ursachen ein und bestimmt das weitere Vorgehen. Die Gesamtzahl allein reicht dafür nicht aus.
Bei einer grenzwertigen Erhöhung nach einer Blutabnahme ohne vorherige Ruhe kann eine Wiederholungsmessung unter vergleichbaren Bedingungen klären, ob der Wert erhöht bleibt. (Evidenz: stark) Das betrifft etwa Werte von 11.000 bis 15.000 Zellen pro Mikroliter nach Sport oder Stress. Für die Kontrolle sollten die Bedingungen der ersten Messung bekannt sein. Eine nüchterne Blutabnahme vor dem Training wird im zugrunde liegenden Kontrollschema ebenfalls genannt; als pauschale Vorgabe ist sie nicht abgesichert.
Bleibt eine Erhöhung länger als 3 bis 4 Wochen ungeklärt oder liegt der Wert ohne offensichtlichen Grund über 30.000 Zellen pro Mikroliter, sollte sie ärztlich abgeklärt werden. (Evidenz: stark) Je nach Befund können ergänzende Untersuchungen folgen: das Verhältnis von Neutrophilen zu Lymphozyten (NLR), hs-CRP und bei entsprechender Indikation eine Knochenmarkuntersuchung. Eine ungeklärte, anhaltende Leukozytose sollte nicht allein durch wiederholte Messungen beobachtet werden.
Häufige Fehlinterpretationen eines erhöhten WBC-Werts
Ein hoher WBC-Wert bedeutet nicht automatisch Leukämie. Die weitaus meisten Erhöhungen gehen auf eine Infektion, Entzündung, körperliche Stressreaktion, Rauchen oder Medikamente zurück. Eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems ist als Ursache selten. Typischerweise kommen dabei mehrere Befunde zusammen, etwa Blasten im Differenzialblutbild, Allgemeinsymptome und eine ausgeprägte Erhöhung. Bei einer mäßig erhöhten Zahl ist Leukämie daher nicht die erste naheliegende Erklärung.
Auch der Zeitpunkt einer Kontrollmessung kann die Einordnung erschweren. Nach intensiver Belastung kann die adrenalinvermittelte Demargination die Leukozytenzahl über Stunden erhöhen. Eine unmittelbar anschließende Kontrolle zeigt dann nicht zuverlässig, ob die Erhöhung anhält; auch eine Messung am Folgetag kann zu früh sein. Der vorgeschlagene Abstand von mindestens 48 Stunden zu anstrengendem Sport ist allerdings keine gesicherte allgemeine Regel. Ruhe, Zeitpunkt und eine gegebenenfalls nötige Nüchternheit sollten für eine planbare Kontrolle abgestimmt werden.
Die Gesamtzahl sagt außerdem nicht, welche Zellen zugenommen haben. Ein Wert von 14.000 Zellen pro Mikroliter mit vielen eosinophilen Granulozyten, etwa bei einer Allergie oder parasitären Infektion, hat eine andere Bedeutung als derselbe Wert mit vorwiegend neutrophilen Granulozyten bei einer bakteriellen Infektion. Überwiegen Lymphozyten, kommt unter anderem eine Virusinfektion infrage. Diese Unterschiede macht erst das Differenzialblutbild sichtbar.
hs-CRP und WBC lassen sich ebenfalls nicht gleichsetzen. hs-CRP erfasst die Akutphasenreaktion der Leber auf eine Entzündung, während die Leukozytenzahl die Mobilisierung von Immunzellen widerspiegelt. Die Werte beruhen auf unterschiedlichen Vorgängen und steigen und fallen unterschiedlich schnell. Sie können sich bei der Einordnung ergänzen, aber nicht gegenseitig ersetzen.
Leichte Leukozytose und Werte, die dringend beurteilt werden sollten
Leichte bis mäßige Erhöhung: reguläre Verlaufskontrolle
Eine Leukozytenzahl zwischen 11.000 und 30.000 pro Mikroliter mit einer erkennbaren vorübergehenden oder chronischen Ursache sollte ärztlich begleitet werden. Mögliche Auslöser sind eine Infektion, Kortikosteroide, Rauchen oder Adipositas. Eine erneute Blutbildkontrolle 4 bis 6 Wochen nach Wegfall des Auslösers soll zeigen, ob sich der Wert normalisiert hat.
Auch eine leichte, anhaltende Erhöhung ohne klaren Auslöser sollte untersucht werden. Für sich genommen erfordert sie jedoch keine notfallmäßige Beurteilung. Bei der Einordnung helfen das Differenzialblutbild und ergänzende Marker wie hs-CRP und NLR.
Ausgeprägte Erhöhung und dringliche oder notfallmäßige Befunde
Ein WBC-Wert über 30.000 pro Mikroliter ohne offensichtliche infektiöse oder physiologische Ursache erfordert eine dringliche ärztliche Abklärung. Finden sich Blasten im Differenzialblutbild, ist unabhängig von der Gesamtzahl eine zeitnahe hämatologische Beurteilung nötig. Andere unreife Zellformen sind nicht pauschal mit Blasten gleichzusetzen. Ihre Bedeutung hängt vom übrigen Befund und den Beschwerden ab.
Werte über 50.000 Zellen pro Mikroliter sind dringlich, wenn sie sich nicht klar durch eine leukämoide Reaktion erklären lassen. Damit ist eine ausgeprägte reaktive Erhöhung der Leukozytenzahl gemeint. Für Werte über 100.000 Zellen pro Mikroliter sieht das hier zugrunde gelegte Schema grundsätzlich eine notfallmäßige hämatologische Beurteilung vor. Unerklärlicher Gewichtsverlust, Nachtschweiß und anhaltendes Fieber erhöhen bei jeder Leukozytose die Dringlichkeit, unabhängig von der Höhe des Werts.
Die folgenden Bereiche geben eine Orientierung in Zellen pro Mikroliter. Sie ersetzen keine Beurteilung des gesamten Befunds:
- Leicht erhöht (11.000 bis 20.000): Häufig ist die Ursache vorübergehend. Das Differenzialblutbild sollte geprüft und der Wert nach 4 bis 6 Wochen erneut gemessen werden.
- Mäßig erhöht (20.000 bis 30.000): Der Wert spricht für eine deutliche Immunaktivierung. Ärztlich sollten das Differenzialblutbild beurteilt und die Ursache geklärt werden.
- Ausgeprägt erhöht (30.000 bis 50.000): Ohne klare Ursache ist eine dringliche Abklärung erforderlich. Zum genannten Vorgehen gehören NLR, hs-CRP und eine fachärztliche Beurteilung.
- Extrem erhöht (>50.000 oder >100.000): Möglich sind eine leukämoide Reaktion oder eine hämatologische Erkrankung. Die Abklärung ist dringlich bis notfallmäßig.
Tag 0: Wann ist eine WBC-Kontrollmessung sinnvoll?
Die Leukozytenzahl kann sich rasch verändern, wenn Zellen neu gebildet, abgebaut oder im Körper umverteilt werden. Sie reagiert damit auf den aktuellen Zustand des Immunsystems, hängt aber stark von den Umständen der Messung ab. Für einen sinnvollen Kontrollabstand zählen deshalb die Bedingungen der ersten Blutabnahme, kürzlich durchgemachte Erkrankungen und das Differenzialblutbild.
Bei einem grenzwertigen Befund hilft eine Kontrolle unter vergleichbaren Bedingungen. Das vorgeschlagene Schema sieht eine Blutabnahme in Ruhe, nüchtern, mindestens 48 Stunden nach anstrengendem Sport und außerhalb einer akuten Erkrankung vor. Ob diese Bedingungen im Einzelfall sinnvoll sind, muss ärztlich eingeordnet werden; eine allgemeine Pflicht zu Nüchternheit und diesem Sportabstand ist hier nicht belegt. Dringliche Befunde müssen unabhängig davon abgeklärt werden.
Als Zeitpunkte für klinische Kontrollmessungen werden genannt:
- 4 bis 6 Wochen nach Abklingen eines akuten Auslösers, etwa einer Infektion, einer medikamentösen Behandlung oder einer körperlichen Belastung, um zu prüfen, ob sich der Wert normalisiert hat.
- In Abständen von 4 bis 12 Wochen bei chronisch erhöhten Werten, deren Ursache bereits untersucht wird, um den Verlauf und das Ansprechen auf Maßnahmen zu verfolgen.
Bei einer erneuten Messung können folgende Werte die Einordnung ergänzen:
- WBC, Gesamtzahl und Differenzialblutbild: Die Gesamtzahl zeigt das Ausmaß der Erhöhung, das Differenzialblutbild die Verteilung auf die Zelltypen. Die verlinkte Seite erläutert Referenzbereiche und Zellverteilung.
- hs-CRP: Der Wert erfasst Entzündungen im gesamten Körper und steigt sowohl bei Infektionen als auch bei chronischen Entzündungen. Er ergänzt die Leukozytenzahl bei der Einordnung einer Immunaktivierung.
- Neutrophilen-Lymphozyten-Verhältnis, NLR: Das NLR beschreibt das zahlenmäßige Verhältnis zweier Zellgruppen der angeborenen und der erworbenen Immunabwehr. Es ist bei Infektionen, Stoffwechselstress und chronischen Entzündungen erhöht und kann zusätzliche Hinweise auf den weiteren Verlauf liefern.
- Monozyten: Eine erhöhte Monozytenzahl hat eigene mögliche Ursachen. Ein solcher Anstieg kann beim alleinigen Blick auf die Gesamtzahl der Leukozyten verborgen bleiben.
Wann ein hoher WBC-Wert weiter abgeklärt werden sollte
Die meisten erhöhten Leukozytenzahlen haben eine erkennbare, gutartige Ursache und normalisieren sich, sobald der Auslöser abklingt. Eine ärztliche Abklärung ist angezeigt, wenn:
- der WBC-Wert noch länger als 3 bis 4 Wochen erhöht bleibt, nachdem die vermutete Ursache abgeklungen ist;
- die Zahl 30.000 pro Mikroliter überschreitet, ohne dass eine offensichtliche infektiöse oder physiologische Erklärung vorliegt;
- Blasten oder andere auffällige unreife Zellformen im Differenzialblutbild auftreten, unabhängig von der Gesamtzahl; bei anderen unreifen Formen entscheidet der klinische Zusammenhang über ihre Bedeutung;
- unerklärlicher Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder anhaltendes Fieber hinzukommen;
- das Differenzialblutbild nicht zu den übrigen Befunden und Beschwerden passt, etwa bei einer ausgeprägten Eosinophilie ohne bekannten allergischen oder parasitären Hintergrund.
Bei Werten über 30.000 Zellen pro Mikroliter ohne geklärte Ursache oder bei Blasten im Differenzialblutbild sollte die ärztliche beziehungsweise hämatologische Beurteilung dringlich erfolgen.
Häufige Fragen
Was bedeutet ein hoher WBC-Wert?
Ein hoher WBC-Wert bedeutet, dass die Zahl der weißen Blutkörperchen über dem Referenzbereich liegt. Das heißt Leukozytose und kann auf eine stärkere Aktivität des Immunsystems hinweisen. Häufige Ursachen sind akute Infektionen, chronische Entzündungen, körperlicher Stress, Rauchen und Medikamente, insbesondere Kortikosteroide. Bei Erwachsenen liegt der übliche Referenzbereich bei 4.500 bis 11.000 Zellen pro Mikroliter. Ein mäßig erhöhter Wert mit erkennbarer Ursache ist meist kein Grund für eine dringliche Abklärung. Bleibt er ohne Erklärung erhöht, sollte die Ursache ärztlich untersucht werden.
Wie hilft das Differenzialblutbild bei der Einordnung eines hohen Werts?
Das Differenzialblutbild zeigt, welche der fünf Zelltypen erhöht sind: neutrophile Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten, eosinophile oder basophile Granulozyten. Das hilft, die Ursache einzugrenzen. Bei bakteriellen Infektionen steigen typischerweise die neutrophilen Granulozyten, bei Virusinfektionen die Lymphozyten und bei parasitären Infektionen oder Allergien die eosinophilen Granulozyten. Die absoluten Zellzahlen sagen klinisch mehr aus als Prozentangaben allein. Zusammen liefern sie ein genaueres Bild als die isolierte Gesamtzahl.
Welche Leukozytenzahl ist normal?
Bei Erwachsenen liegt die Leukozytenzahl typischerweise zwischen 4.500 und 11.000 Zellen pro Mikroliter. Der Referenzbereich kann je nach Labor und Alter abweichen. Ein Wert oberhalb der oberen Grenze heißt Leukozytose. Wie er einzuordnen ist, hängt vom Ausmaß der Erhöhung, dem Differenzialblutbild und möglichen Beschwerden ab. Ebenso wichtig ist, ob die Erhöhung vorübergeht oder über mehrere Messungen hinweg bestehen bleibt.
Kann Stress einen hohen WBC-Wert verursachen?
Ja. Körperlicher und psychischer Stress führen dazu, dass der Körper Adrenalin und Cortisol freisetzt. Dadurch gelangen neutrophile Granulozyten von den Gefäßwänden in den zirkulierenden Blutstrom. Diese Demargination beginnt innerhalb von Minuten und klingt üblicherweise innerhalb von Stunden ab. Eine Blutabnahme kurz nach anstrengendem Sport oder während einer akuten Stresssituation kann deshalb einen vorübergehend erhöhten Wert zeigen. Eine Kontrollmessung in Ruhe hilft zu klären, ob die Erhöhung anhält. Ob die Blutabnahme zusätzlich nüchtern erfolgen soll, ist Teil der Abstimmung; eine allgemeine Vorgabe dafür ist hier nicht belegt.
Ab welchem WBC-Wert besteht Anlass zur Sorge?
Eine leichte Erhöhung auf 11.000 bis 15.000 Zellen pro Mikroliter mit erkennbarer Ursache sollte üblicherweise nach Abklingen des Auslösers kontrolliert werden. Das kann etwa eine kürzlich durchgemachte Infektion, körperlicher Stress oder die Einnahme von Kortikosteroiden sein. Ein Wert über 30.000 pro Mikroliter ohne offensichtliche Ursache oder jede Erhöhung mit Blasten im Differenzialblutbild erfordert eine zeitnahe ärztliche Abklärung. Auch wenn die Erhöhung länger als 3 bis 4 Wochen ungeklärt bleibt, sollte sie untersucht werden.
Warum kann Adipositas einen hohen WBC-Wert verursachen?
Fettgewebe, insbesondere viszerales Fett um die inneren Organe, setzt entzündungsfördernde Botenstoffe frei. Diese Zytokine können eine chronische, niedriggradige Entzündung im gesamten Körper aufrechterhalten. Damit kann eine leicht erhöhte Leukozytenzahl einhergehen, vor allem durch mehr Monozyten und neutrophile Granulozyten. Bei Adipositas oder einem metabolischen Syndrom kommt diese Entzündung als Erklärung für einen leicht erhöhten Wert infrage. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass sie im Einzelfall wahrscheinlicher ist als eine Infektion oder eine Erkrankung des blutbildenden Systems. Verbessert sich die Stoffwechselgesundheit, normalisiert sich die Leukozytenzahl typischerweise allmählich.
Welche anderen Biomarker helfen, einen hohen WBC-Wert einzuordnen?
hs-CRP erfasst Entzündungen im gesamten Körper und steigt sowohl bei Infektionen als auch bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen. Es hilft bei der Einordnung, kann diese Ursachen allein aber nicht zuverlässig unterscheiden. Das Neutrophilen-Lymphozyten-Verhältnis, kurz NLR, zeigt, wie sich das Verhältnis zweier Zellgruppen der angeborenen und der erworbenen Immunabwehr verschiebt. Es ist bei Infektionen, Stoffwechselstress und chronischen Entzündungen erhöht. Ferritin gehört zu den Akutphaseproteinen und steigt bei Entzündungen und Infektionen an. Zusammen mit dem Differenzialblutbild können diese Marker mehr Aufschluss geben als die Leukozytenzahl allein.
Wie häufig sollte ein erhöhter WBC-Wert kontrolliert werden?
Der Kontrollabstand hängt von der Ursache und der klinischen Situation ab. Die Leukozytenzahl kann sich rasch verändern, sobald ein Auslöser abklingt. Bei einer klaren akuten Ursache, etwa einer Infektion, soll eine erneute Messung 4 bis 6 Wochen nach deren Abklingen bestätigen, dass sich der Wert normalisiert hat. Für eine anhaltende Erhöhung, deren chronische Ursache untersucht wird, sind ärztliche Kontrollen alle 4 bis 12 Wochen als Orientierung genannt. Der konkrete Abstand richtet sich nach dem Befund. Ohne klinischen Anlass gibt es keinen standardmäßigen WBC-Kontrollrhythmus für die allgemeine Gesundheitsvorsorge.
Quellen
- Riley LK, Rupert J (2015). Evaluation of Patients with Leukocytosis. American family physician, 92(11), 1004-11. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26760415/
- Dhabhar FS, Malarkey WB, Neri E, McEwen BS (2012). Stress-induced redistribution of immune cells–from barracks to boulevards to battlefields: a tale of three hormones–Curt Richter Award winner. Psychoneuroendocrinology, 37(9), 1345-68. https://doi.org/10.1016/j.psyneuen.2012.05.008 PubMed
- Higuchi T, Omata F, Tsuchihashi K, Higashioka K, Koyamada R, Okada S (2016). Current cigarette smoking is a reversible cause of elevated white blood cell count: Cross-sectional and longitudinal studies. Preventive medicine reports, 4, 417-22. https://doi.org/10.1016/j.pmedr.2016.08.009 PubMed
- Fontana L, Eagon JC, Trujillo ME, Scherer PE, Klein S (2007). Visceral fat adipokine secretion is associated with systemic inflammation in obese humans. Diabetes, 56(4), 1010-3. https://doi.org/10.2337/db06-1656 PubMed
- Herishanu Y, Rogowski O, Polliack A, Marilus R (2006). Leukocytosis in obese individuals: possible link in patients with unexplained persistent neutrophilia. European journal of haematology, 76(6), 516-20. https://doi.org/10.1111/j.1600-0609.2006.00658.x PubMed