Warum sabbere ich, wenn ich schlafe?
Klinische Prüfung ausstehend
Sabbern im Schlaf kann mit Schlafposition, Mundatmung oder Medikamenten zusammenhängen. Welche Ursachen infrage kommen und wann Abklärung sinnvoll ist.

Warum im Schlaf Speichel aus dem Mund läuft
Speicheldrüsen arbeiten auch nachts
Der Körper produziert ständig Speichel. Im Wachzustand schlucken wir etwa 600 Mal am Tag, ohne darüber nachzudenken. So gelangt der Speichel automatisch in den Rachen, bevor er aus dem Mund laufen kann.
Im Schlaf schlucken wir deutlich seltener, besonders während des REM- und Tiefschlafs. Laut einer Studie in Sleep Medicine Reviews produzieren die Speicheldrüsen nachts zwar weniger Speichel, stellen ihre Arbeit aber nicht ganz ein. Quelle
Wenn weniger Speichel geschluckt wird, kann er sich im Mund sammeln und schließlich über die Lippen laufen.
Mundöffnung und Schlafposition
In Seitenlage gelangt Speichel bei geöffnetem Mund leicht an die Lippen und auf das Kissen. Wer aufrecht und mit geschlossenem Mund schläft, würde ihn dagegen unbemerkt herunterschlucken.
Meist erklären deshalb die Mundöffnung und die Schlafposition gemeinsam, warum nachts Speichel austritt. Entscheidend ist, wie gut der vorhandene Speichel abfließen und geschluckt werden kann.
Warum manche Menschen stärker sabbern
Wenn die Nase verstopft ist
Eine verstopfte Nase führt häufig dazu, dass wir durch den Mund atmen. Das ist die wichtigste Ursache für starken nächtlichen Speichelaustritt. Auslöser können Allergien, eine Nebenhöhlenentzündung, eine verformte Nasenscheidewand oder trockene Raumluft sein.
Mundatmung kann mehrere Folgen haben: Speichel läuft aus, die Mundschleimhaut trocknet aus und Mundgeruch entsteht leichter. Auch die Schlafqualität kann darunter leiden.
Eine Studie im Journal of Allergy and Clinical Immunology ergab, dass eine dauerhaft verstopfte Nase das Risiko von nächtlichen Atemproblemen wie Schnarchen deutlich erhöht. Lässt sich die verstopfte Nase behandeln, nimmt häufig auch der Speichelaustritt ab, ohne dass weitere Maßnahmen nötig sind. Quelle
Medikamente, die die Speichelproduktion steigern
Bestimmte Medikamente regen als Nebenwirkung die Speicheldrüsen an. Antipsychotika wie Clozapin sind dafür bekannt, dass sie eine übermäßige Speichelproduktion, auch Hypersalivation oder Sialorrhoe genannt verursachen. Einige Antibiotika, Cholinesterasehemmer gegen Alzheimer oder Myasthenia gravis und sogar bestimmte Nahrungsergänzungsmittel können die Speichelproduktion steigern.
Beginnt der Speichelaustritt kurz nach einer Medikamentenumstellung, sollte die behandelnde Praxis davon erfahren. Der zeitliche Zusammenhang kann bei der Suche nach der Ursache helfen.
Schlaftiefe und Muskelentspannung
Im tiefen Schlaf entspannen sich die Gesichtsmuskeln. Der Kiefer kann sich öffnen, die Zunge verändert ihre Lage, und die Lippen schließen nicht mehr so fest. Wer regelmäßig tief schläft, verliert deshalb möglicherweise leichter Speichel aus dem Mund.
Das erklärt mit, warum der Speichelaustritt im Lauf der Nacht unterschiedlich stark sein kann. Im tiefen NREM-Schlaf, der die erste Hälfte des Schlafzyklus prägt, entspannen sich die Muskeln besonders stark; der Mund lässt sich dann weniger gut geschlossen halten.
Kiefer, Zunge und Atemwege
Auch die Form von Kiefer, Zunge und Atemwegen beeinflusst, wie leicht sich der Mund nachts öffnet. Ein kleiner Kiefer, eine große Zunge oder enge Nasengänge begünstigen die Mundatmung und damit den Speichelaustritt. Vergrößerte Gaumen- oder Rachenmandeln können die Atmung ähnlich behindern; sie kommen besonders häufig bei Kindern vor.
Welche Erkrankungen dahinterstecken können
Schlafapnoe und verengte Atemwege
Tritt Speichelaustritt zusammen mit lautem Schnarchen, Luftschnappen oder morgendlicher Mundtrockenheit auf, kann das auf eine obstruktive Schlafapnoe hinweisen. Dabei verengen sich die Atemwege im Schlaf oder fallen teilweise zusammen. Der Mund öffnet sich, um die Atmung zu erleichtern, und Speichel kann austreten.
Eine im Journal of Clinical Sleep Medicine veröffentlichte Studie ergab, dass Mundatmung bei Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe deutlich häufiger vorkommt. Wer stark sabbert und sich trotz einer scheinbar erholsamen Nacht erschöpft fühlt, kann die Ursache durch eine schlafmedizinische Untersuchung abklären lassen. Quelle
GERD und saurer Reflux
Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) kann eine übermäßige Speichelproduktion auslösen. Der Körper produziert dann mehr Speichel, um aufsteigende Magensäure in der Speiseröhre zu neutralisieren. Dieser Reflex wird im Englischen als „water brash“ bezeichnet. Besonders im flachen Liegen kann sich dadurch viel Speichel im Mund sammeln.
Bei GERD tritt oft nach großen oder späten Mahlzeiten mehr Speichel aus. Ist das Problem in den ersten Stunden nach dem Einschlafen besonders ausgeprägt, kann dies auf Reflux hindeuten.
Neurologische Erkrankungen
Parkinson, ein Schlaganfall, ALS oder eine Zerebralparese können die Muskelkontrolle und das Schlucken beeinträchtigen. Der Speichel sammelt sich dann vor allem deshalb, weil er nicht ausreichend geschluckt werden kann.
Neu auftretender oder zunehmender Speichelaustritt sollte neurologisch abgeklärt werden, besonders wenn auch tagsüber Schluckbeschwerden bestehen. Bei manchen Erkrankungen gehört er zu den frühen sichtbaren Symptomen.
Der Einfluss der Schlafposition
Seiten- und Bauchlage
In Seitenlage läuft häufiger Speichel aus dem Mund als in Rückenlage. Die Schwerkraft zieht ihn zur unteren Wange und durch die leicht geöffneten Lippen. In Bauchlage kann der Effekt noch stärker sein, weil das Schlucken zusätzlich erschwert wird.
In Rückenlage bleiben die Atemwege gerade ausgerichtet, und Speichel kann in den Rachen abfließen. Ein Wechsel der Schlafposition ist deshalb eine einfache Maßnahme gegen nächtlichen Speichelaustritt. Allerdings schläft nicht jeder Mensch die ganze Nacht bequem auf dem Rücken.
Den Kopf etwas höher lagern
Ein zusätzliches Kissen oder ein Keilkissen hebt den Kopf leicht an. Dadurch kann sich auch in Seitenlage weniger Speichel sammeln, weil er leichter in Richtung Rachen abfließt. Eine Neigung von 15–30 Grad reicht meist für einen spürbaren Unterschied.
Die erhöhte Lage kann zugleich bei Sodbrennen und bei Nasensekret helfen, das nachts in den Rachen läuft.
Wann eine Untersuchung sinnvoll ist
Warnzeichen
Meist ist nächtlicher Speichelaustritt harmlos. Ärztlich abgeklärt werden sollten jedoch:
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Plötzliches Einsetzen von starkem Speichelfluss ohne erkennbare Ursache
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Sabbern, begleitet von Schwierigkeiten beim Schlucken von Nahrungsmitteln oder Flüssigkeiten im Wachzustand
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Schwäche der Gesichtsmuskeln oder ein asymmetrisches Gesicht zusammen mit Speichelaustritt
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Erstickungsanfälle oder Keuchen während des Schlafs
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Anhaltende Müdigkeit trotz ausreichender Schlafzeit
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Speichelfluss, der sich über Wochen oder Monate hinweg zunehmend verschlimmert
Diese Beschwerden können auf eine neurologische Erkrankung, eine schwere Schlafapnoe oder eine andere behandlungsbedürftige Ursache hinweisen. Eine frühe Abklärung hilft, die passende Behandlung zu finden. Je nach Beschwerden kommt eine schlafmedizinische oder neurologische Untersuchung infrage.
Auf Veränderungen achten
Wer schon lange gelegentlich etwas Speichel auf dem Kissen bemerkt, hat selten Grund zur Sorge. Ist das Kissen plötzlich regelmäßig durchnässt, lohnt sich eine Abklärung. Dahinter können Veränderungen der Atmung, der Medikamente, des Gewichts oder des Gesundheitszustands stecken.
So reduzieren Sie das Sabbern im Schlaf
Die Schlafposition verändern
Eine Möglichkeit ist, sich an die Rückenlage zu gewöhnen. Verwenden Sie ein stützendes Kissen, das Ihren Kopf leicht erhöht und Ihren Nacken gerade hält. Manche Menschen legen Kissen an ihre Seiten, um zu verhindern, dass sie sich nachts umdrehen. Auch um den Oberkörper getragene Lagerungsgurte können das Seitenschlafen verhindern.
Die Nasenatmung erleichtern
Eine Spülung mit Kochsalzlösung oder ein Nasenspray vor dem Schlafengehen kann eine verstopfte Nase befreien und die Mundatmung reduzieren. Wenn Allergien die Ursache sind, kann die Behandlung mit Antihistaminika oder Nasensprays mit Kortikosteroiden die Beschwerden deutlich lindern. Sobald die Nasenatmung wieder möglich ist, tritt nachts häufig weniger Speichel aus.
Tagsüber ausreichend trinken
Bei Flüssigkeitsmangel können die Speicheldrüsen zum Ausgleich verstärkt arbeiten. Über den Tag verteilt ausreichend zu trinken kann helfen, die Speichelproduktion gleichmäßig zu halten, sodass sie in Ruhe weniger stark ansteigt.
Mund-Taping: nur mit Vorsicht betrachten
Beim sogenannten Mouth Taping werden die Lippen zugeklebt, um im Schlaf durch die Nase zu atmen. Ein kleiner Streifen medizinisches Klebeband über den Lippen kann Ihren Mund geschlossen halten. Dies ist jedoch für Menschen mit Schlafapnoe oder erheblicher Nasenverstopfung nicht sicher. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie es versuchen.
Mund- und Rachenmuskeln trainieren
Übungen der myofunktionellen Therapie trainieren Zunge, weichen Gaumen und Rachen. Das kann helfen, den Mund im Schlaf geschlossen zu halten. Dazu gehören das Drücken der Zunge gegen den Gaumen sowie Übungen für Wangen und Rachen. Eine randomisierte Studie in Chest ergab, dass oropharyngeale Übungen das Schnarchen reduzierten, das eng mit der Mundatmung und dem Sabbern zusammenhängt. Quelle
Die Ursache behandeln
Lösen Reflux, Schlafapnoe oder Allergien den Speichelaustritt aus, ist ihre Behandlung entscheidend. Bei Reflux können eine angepasste Ernährung und eine erhöhte Schlafposition helfen. Starkes Schnarchen sollte auf eine Schlafapnoe untersucht werden; bei einer dauerhaft verstopften Nase gilt es, deren Ursache zu klären.
Begleitende Beschwerden beobachten
Speichel auf dem Kissen kann mit verengten Atemwegen, einem gestörten Ablauf der Schlafphasen oder Entzündungen zusammenhängen, die das Atmen erschweren. Beobachtungen zu Häufigkeit und Begleitbeschwerden helfen, solche Zusammenhänge zu erkennen.
Häufig gestellte Fragen
Warum sabbere ich so viel, wenn ich schlafe?
Übermäßiges Sabbern im Schlaf ist meist auf die Mundatmung zurückzuführen. Ist die Nasenatmung durch eine verstopfte Nase, Allergien oder vergrößerte Mandeln erschwert, bleibt der Mund nachts häufig offen. Zugleich wird im Tiefschlaf seltener geschluckt. So sammelt sich Speichel und kann auslaufen. Das Schlafen auf der Seite verstärkt den Effekt, da die Schwerkraft den Speichel zu Ihren Lippen zieht.
Ist Sabbern im Schlaf ein Zeichen für guten Schlaf?
Sabbern kann ein Hinweis darauf sein, dass Sie Tiefschlafphasen erreichen, in denen sich die Muskeln stark entspannen. Ihre Gesichtsmuskeln erschlaffen, Ihr Kiefer klappt auf und Speichel tritt aus. Manchmal tritt es daher gerade in tiefen Schlafphasen auf. Starkes Speicheln gepaart mit Schnarchen oder Müdigkeit kann jedoch auf eine schlafbezogene Atmungsstörung hinweisen, die den Schlaf beeinträchtigt.
Warum sabbern Menschen im Schlaf, aber nicht im Wachzustand?
Im Wachzustand schlucken Sie etwa alle 30 Sekunden automatisch Speichel. Im Schlaf wird dieser Reflex deutlich seltener ausgelöst. Die bewusste Muskelkontrolle entfällt, der Kiefer entspannt sich. Aus einem geöffneten Mund kann Speichel dann der Schwerkraft folgend leichter austreten.
Kann Schlafapnoe zu Sabbern führen?
Ja. Obstruktive Schlafapnoe erzwingt häufig die Mundatmung, da die Atemwege teilweise blockiert sind. Wenn Ihr Mund offen bleibt, um den eingeschränkten Luftstrom auszugleichen, tritt Speichel aus. Wenn Sie stark sabbern, laut schnarchen und unausgeruht aufwachen, lohnt es sich, Schlafapnoe schlafmedizinisch abklären zu lassen.
Beeinflusst die Schlafposition, wie viel Sie sabbern?
Ja. Seiten- und Bauchschläfer sabbern deutlich mehr als Rückenschläfer. Wenn Sie auf der Seite liegen, zieht die Schwerkraft den Speichel zu Ihren Lippen. Wenn Sie zum Schlafen auf dem Rücken wechseln oder zumindest Ihren Kopf mit einem Keilkissen hochlagern, kann dies das Speicheln reduzieren, weil Speichel leichter in den Rachen abfließen kann.
Wie kann ich verhindern, dass ich nachts auf mein Kissen sabbere?
Beginnen Sie mit der Schlafposition: Versuchen Sie die Rückenlage mit leicht erhöhtem Kopf. Befreien Sie eine verstopfte Nase vor dem Schlafengehen mit einer Kochsalzlösung, damit Sie durch die Nase atmen können. Sorgen Sie tagsüber für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um die Speichelproduktion zu regulieren. Wenn diese Schritte nicht helfen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche zugrunde liegende Ursachen wie Allergien, GERD oder Schlafapnoe.
Ist übermäßiges Sabbern im Schlaf ein Zeichen für ein medizinisches Problem?
Normalerweise nicht. Das meiste nächtliche Speicheln ist harmlos und hängt mit der Schlafposition oder einer leicht verstopften Nase zusammen. Plötzlicher oder sich verschlimmernder Speichelfluss gepaart mit Schluckbeschwerden, Gesichtsschwäche oder Tagesmüdigkeit kann jedoch auf neurologische Erkrankungen, schwere Schlafapnoe oder GERD hinweisen. Wenn sich der Speichelfluss ohne ersichtlichen Grund deutlich verändert, lohnt es sich, mit einem Arzt darüber zu sprechen.
Können bestimmte Medikamente dazu führen, dass im Schlaf vermehrt gesabbert wird?
Ja. Einige Medikamente stimulieren als Nebenwirkung die Speicheldrüsen. Antipsychotika wie Clozapin sind dafür bekannt, dass sie Hypersalivation verursachen. Bestimmte Antibiotika, Cholinesterasehemmer gegen Alzheimer oder Myasthenia gravis sowie einige Nahrungsergänzungsmittel können ebenfalls die Speichelproduktion steigern. Wenn das Sabbern kurz nach einer Medikamentenumstellung einsetzt, hilft dieser zeitliche Zusammenhang bei der ärztlichen Abklärung.
Quellen und Nachweise
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