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Ziconotid (Prialt): Anwendung, Wirkweise und Nebenwirkungen

Klinische Prüfung ausstehend

Ziconotid wird bei schweren chronischen Schmerzen direkt in die Rückenmarksflüssigkeit verabreicht. Wie es wirkt, für wen es infrage kommt und welche psychiatrischen und neurologischen Risiken bestehen.

Ziconotid kommt bei schweren chronischen Schmerzen infrage, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend helfen oder nicht vertragen werden und eine Behandlung direkt in der Rückenmarksflüssigkeit erforderlich ist. Der Wirkstoff gehört nicht zu den Opioiden. Schmerzmedizinische Fachkräfte verabreichen ihn mithilfe einer Pumpe und überwachen die Behandlung engmaschig. Schwere psychiatrische und neurologische Nebenwirkungen sind möglich; deshalb muss die Dosis vorsichtig eingestellt werden.

Was ist Ziconotid?

Ziconotid ist unter dem Handelsnamen Prialt erhältlich. Es ist die synthetisch hergestellte Version eines Peptids aus dem Gift der Meereskegelschnecke Conus magus. Das stark wirksame Schmerzmittel wird bei schweren chronischen Schmerzen direkt in den Liquor verabreicht. Diese auch Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit genannte Flüssigkeit umgibt das Gehirn und das Rückenmark.

Während der Entwicklung trug Ziconotid den Code SNX-111; sein natürliches Gegenstück heißt Omega-Conotoxin MVIIA. In den USA wurde es 2004 zugelassen.

Wie wirkt Ziconotid?

Ziconotid blockiert bestimmte Calciumkanäle an den Endigungen schmerzleitender Nerven im Hinterhorn des Rückenmarks. Diese spannungsabhängigen Kanäle vom N-Typ steuern, ob die Nerven Botenstoffe freisetzen, die Schmerzsignale in Richtung Gehirn weiterleiten. Indem Ziconotid die Kanäle blockiert, verhindert es die Freisetzung dieser Botenstoffe und unterbricht die Weiterleitung des Schmerzsignals bereits im Rückenmark.

Als Peptid gelangt Ziconotid aus dem Blutkreislauf nur schwer ins Gehirn. Deshalb wird es über eine Pumpe direkt in den Liquor infundiert. Es darf niemals intravenös, also in eine Vene, verabreicht werden.

Ziconotid wirkt auf andere Weise als Opioide. Es verursacht keine Atemdepression, also keine Dämpfung der Atmung, und keine vergleichbare Toleranzentwicklung: Die Wirkung lässt nicht wie bei Opioiden mit der Zeit nach. Diese Eigenschaften machen es zu einer Behandlungsoption bei schwer beherrschbaren Schmerzen.

In einer kontrollierten Studie erhielten Menschen mit therapieresistenten Schmerzen im Zusammenhang mit Krebs oder AIDS Ziconotid oder Placebo. Unter Ziconotid sanken die Schmerzwerte deutlich stärker. 1 Allerdings liegen wirksame und nicht mehr verträgliche Dosierungen eng beieinander. Fachleute sprechen dabei von einer geringen therapeutischen Breite. Deshalb passen sie die Dosis langsam und vorsichtig an.

Ist Ziconotid von der FDA zugelassen?

Ja. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA ließ Ziconotid (Prialt) 2004 zur Behandlung schwerer chronischer Schmerzen zu. Die Zulassung gilt für Menschen, die eine intrathekale Therapie benötigen und andere Behandlungen nicht vertragen oder darauf nicht ausreichend ansprechen. „Intrathekal“ bedeutet, dass ein Arzneimittel direkt in den Liquorraum gelangt. 2

Die US-amerikanische Fachinformation warnt besonders hervorgehoben vor schweren psychiatrischen Symptomen und neurologischen Beeinträchtigungen. Diese Warnung heißt „Boxed Warning“. Bei Menschen, die früher eine Psychose hatten, darf Ziconotid nicht angewendet werden.

Wofür wird Ziconotid verschrieben?

Vor einer Verordnung prüfen schmerzmedizinische Fachkräfte sorgfältig, ob Ziconotid für die betreffende Person geeignet ist. Es kommt bei schweren chronischen Schmerzen infrage, wenn eine intrathekale Behandlung erforderlich ist und andere Therapien, einschließlich intrathekal verabreichten Morphins, nicht ausreichend geholfen haben oder nicht vertragen werden. Eine implantierte oder externe Mikroinfusionspumpe gibt das Arzneimittel ab; schmerzmedizinische Fachkräfte betreuen die Behandlung.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Die Fachinformation nennt unter anderem folgende häufige Nebenwirkungen:

  • Schwindel und Übelkeit
  • Verwirrtheit und Gedächtnisprobleme
  • Gangstörungen, Schläfrigkeit und unwillkürliche Augenbewegungen

Schwerwiegende Nebenwirkungen erfordern besondere Aufmerksamkeit:

  • Es können schwere psychiatrische Symptome wie Depressionen, Suizidgedanken und Halluzinationen sowie neurologische Beeinträchtigungen auftreten. Darauf weist die „Boxed Warning“ hin. Während der Behandlung ist deshalb eine engmaschige Überwachung nötig.
  • Bei schwerwiegenden neurologischen oder psychiatrischen Anzeichen muss das Arzneimittel abgesetzt werden.
  • Ist die Pumpe oder der Katheter verunreinigt, können eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder andere Infektionen auftreten.