Zum Inhalt springen
EN
Wirkung

Oxidativer Stress

Oxidativer Stress bezeichnet chemische Vorgänge, die Zellen schädigen können. Manche Präparate verändern Laborwerte; ein Schutz vor Erkrankungen ist damit noch nicht belegt.

Was bedeutet oxidativer Stress?

Zellen bilden von Natur aus reaktionsfreudige Sauerstoffverbindungen. Übersteigt deren Bildung die Schutzmechanismen, können Zellschäden entstehen. Das wird als oxidativer Stress bezeichnet. Körpereigene antioxidative Enzyme gehören zu den Schutzsystemen. 1

Freie Radikale entstehen auch bei normalen Zellvorgängen. In hohen Konzentrationen können sie jedoch DNA, Eiweiße und Zellmembranen schädigen. Tabakrauch, Strahlung und bestimmte Umweltbelastungen können ihre Bildung verstärken. 2

Was sagt ein Test auf oxidativen Stress aus?

Forschende messen reaktive Moleküle oder die Produkte, die sie hinterlassen. Die Moleküle sind kurzlebig und schwer genau zu erfassen; jedes Verfahren hat eigene Stärken und Grenzen. Ein Wert für „oxidativen Stress“ lässt sich deshalb nur einordnen, wenn Marker und Messmethode bekannt sind. 3

Erklärt oxidativer Stress meine Beschwerden?

Müdigkeit kann viele Ursachen haben, etwa Schlafmangel, Stress, Medikamente oder Erkrankungen. Anhaltende ungeklärte Müdigkeit sollte entsprechend abgeklärt werden, statt daraus einen Bedarf an Antioxidantien abzuleiten. 4

Nährstoffe mit den stärksten Bewertungen

Sortiert nach der größten bewerteten Wirkung. Die Balken zeigen die Effektgröße, der Buchstabe die Evidenznote.

Alle 215 BewertungenAlle Nährstoffe, die für Oxidativer Stress bewertet wurden, mit Suche

Welche Präparate verändern Laborwerte?

Die folgenden Übersichten untersuchten biochemische Marker. Ob ein Präparat Erkrankungen verhindert oder das Befinden verbessert, ist damit noch nicht beantwortet. 5 6

Coenzym Q10Zu wenig belegt

Eine Metaanalyse von 2020 mit 19 Studien fand eine höhere antioxidative Gesamtkapazität und weniger Malondialdehyd, einen Marker für oxidative Fettschäden. Auch mehrere antioxidative Enzyme nahmen zu. Bei einigen Enzymergebnissen gab es Hinweise auf Publikationsverzerrungen; ein gesundheitlicher Nutzen lässt sich aus diesen Laborbefunden allein nicht ableiten. 5

CurcuminZu wenig belegt

Eine Metaanalyse von 2020 umfasste vier Studien mit 308 Personen. Die antioxidative Gesamtkapazität stieg, die Abnahme von Malondialdehyd war hingegen nicht statistisch signifikant. Verschiedene Marker können also unterschiedliche Ergebnisse liefern. 6

Schützen Antioxidantien vor Erkrankungen?

Die US Preventive Services Task Force rät von Vitamin E und Beta-Carotin zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs ab. Das gilt für grundsätzlich gesunde, nicht schwangere Erwachsene ohne bekannten Mangel. Für die meisten anderen Vitamin- und Mineralstoffpräparate reichte die Evidenz für diesen Zweck nicht aus. 7

Vitamin ENicht belegt

Die Präventionsstudien stützen eine Einnahme zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs in dieser Gruppe nicht. 7

Beta-CarotinNicht belegt

Bei Menschen, die rauchen oder beruflich Asbest ausgesetzt waren, erhöhen Beta-Carotin-Präparate zudem das Lungenkrebsrisiko. 7

Warum Gemüse und Kapseln nicht gleichzusetzen sind

In Beobachtungsstudien geht ein höherer Obst- und Gemüseverzehr mit besserer Gesundheit einher. Dass isolierte Antioxidantien dafür verantwortlich sind, folgt daraus nicht: Lebensmittel enthalten viele Stoffe. Mehr antioxidative Wirkung ist nicht automatisch besser, denn reaktive Moleküle wirken an normalen Signal- und Abwehrvorgängen mit. 1

Bei konzentrierten Extrakten zählt die Sicherheit

Die EFSA fand bei Nahrungsergänzungsmitteln ab 800 mg des Grüntee-Inhaltsstoffs EGCG täglich Anzeichen für Leberschäden. Eine sichere Dosis unterhalb dieser Menge konnte sie nicht festlegen. Herkömmliche Grünteeaufgüsse gelten grundsätzlich als sicher, auch wenn selten Leberreaktionen vorkommen. 8

Coenzym Q10 kann Wechselwirkungen mit Warfarin und Insulin haben und mit manchen Krebstherapien unvereinbar sein. Als Nebenwirkungen sind Verdauungsbeschwerden und Schlafstörungen bekannt. 9

Umfang dieser Übersicht

Diese Seite behandelt die genannten Präparate, nicht sämtliche als Antioxidantien beworbenen Stoffe.

Häufige Fragen

Sind freie Radikale immer schädlich?

Nein. Sie entstehen bei normalen Zellvorgängen; hohe Konzentrationen können allerdings DNA, Eiweiße und Zellmembranen schädigen. 2

Bedeutet ein besserer Blutwert, dass ich gesünder bin?

Ein veränderter biochemischer Marker belegt noch nicht, dass weniger Erkrankungen auftreten. Die Q10-Übersicht untersuchte oxidative Marker, keine Krankheitsprävention. 5

Ist Curcumin eine belegte Behandlung gegen oxidativen Stress?

Die kleine Metaanalyse fand eine höhere antioxidative Gesamtkapazität, aber keine statistisch signifikante Abnahme von Malondialdehyd. Ein gesundheitlicher Nutzen bleibt gesondert zu prüfen. 6

Können Antioxidantienkapseln Gemüse ersetzen?

Ergebnisse zu Obst und Gemüse lassen sich nicht direkt auf isolierte Präparate übertragen: Zusammensetzung und Mengen unterscheiden sich. 1

Ist Grünteeextrakt genauso sicher wie Tee?

Die EFSA bewertete beides unterschiedlich. Bei konzentrierten Präparaten bestehen Bedenken wegen möglicher Leberschäden; eine sichere ergänzende EGCG-Dosis ließ sich nicht festlegen. 8

Quellen

  1. Antioxidants and Cancer Prevention National Cancer Institute